Stadtwald-Hasenkopf, Marburg

Art Realisierungswettbewerb, 1998
Ort Marburg
Auslober Stadt Marburg
Bearbeiter H. Baurmann | S. Dürr
Modellbau A. Brandes
Außenanlagen Klahn + Singer + Partner
Platzierung 2. Rg
Publikationen Wettbewerbe Aktuell 3/1999

Stadtteil Stadtwald: Ein ganzes besteht aus Teilen: Rad, Blatt, Flügel.Jeder einzelne der Siedlungsbereiche weist eine eigene Charakteristik auf: die ehemalige Kasernedominiert auf dem Hochplateau, schließt sich als geometrische Halbkreisform von der Landschaft ab (Rad),die Bebauung an der Stauffenbergstraße, die steil den Hang hinaufläuft, greift in die Grünräume ein (Blattrippen), die Siedlung auf dem Tanzplan breitet sich auf dem nach Süden gewandten Hang aus (Flügel).

Die unterschiedlichen Eigenarten bilden eine Vielfalt, die es zu verstärken gilt. Die funktionale Verbindung in der topographischen Isolation übernimmt die Bundesstraße, zu einem Stadtteil zusammengefasst werden die drei Bereiche vom Grün.

Siedlung "Auf dem Tanzplan": Höhenlinien bestimmen die Lage der Bebauung.Das Aufnehmen der Geländekonturen durch die Bebauung unterstützt die Natur als Gegengewicht zur dominanten geometrischen Stadtkrone. Hangbewegungen werden genutzt, um die Bebauung in überschaubare Einheiten zu gliedern.

Grün: Offene Räume bilden Gegenpol zu dichter Bebauung.Keilförmige Grünräume trennen die einzelnen Quartiere und führen von der Senke (mit Kaserne verbindendes Grün) zur Kuppe Hasenkopf, die auch in Zukunft frei von Bebauung bleiben wird.

Bauabschnitte: Gliederung in Quartiere ermöglicht einzelne Bauabschnitte. Eine abschnittsweise Realisierbarkeit ist gegeben, da die Inselstruktur der Quartiere einzelne Bauphasen nicht als Torso erscheinen lässt. Ein stufenweiser Ausbau der Siedlung von Ost nach West bietet sich somit an. Das vorgeschlagene Verkehrskonzept berücksichtigt mehrere Baustufen. Die Mischung von Wohnformen ist in jedem Einzelquartier gewährleistet.

Verkehr: Reduzierung des Verkehrs und Konzentration des Parkens: Eine Straße in Fortführung der Edith-Stein-Straße übernimmt die Haupterschließung. Sie verläuft zwischen den nord-/südorientierten Quartieren und den ost-/westorientierten Wohnhöfen. Die einzelnen Quartiere werden über Sackgassen angedient, der ruhende Verkehr bleibt vor den Quartieren.

Quartiere: Introvertiertes Quartier als Insel im Grünen:Das Quartier besteht aus orthogonal ausgerichteter, nord-/südorientierter Bebauung mit Blick ins Tal. U-förmig umgreift die Parkierung von Mauern gefasste Terrassenanlagen. Ebene Wohnwege führen von den Parkplätzen zu Hauseingängen und kreuzungsfrei ins Grüne. Treppen und Plätze verknüpfen und bilden Treffpunkte.

In den Hang integrierte Nebenzonen für die angrenzenden Wohnbauten fassen die Wohnwege und begrenzen die Südgärten als ungestörte Freibereiche. Die dreigeschossigen Geschossbauten blicken über die zweigeschossigen Wohnbauten ins Tal. Eine variable Zeilenaufteilung (Geschosswohnen, Reihen-, Doppel-, Einzelhaus) ermöglicht ein Höchstmaß an Flexibilität bei der Realisierung.

Rand zur Senke:Gebaute Finger greifen ins Grün.Die ost-/westorientierte Bebauung an der Senke greift das Thema der keilförmigen Verzahnung mit dem Grün wieder auf. Wohnhöfe bieten Raum für Gemeinsamkeiten und die Möglichkeit, auf dem eigenen Grundstück zu parken.

Kopf und Schwanz: Siedlungsanfang und -ende beeinflussen Bebauung.

Kopf: Zur Bundesstraße schirmen Geschossbauten mit Laubengangerschließung die Siedlung vor Lärm- und Abgasentwicklung ab. Die anschließenden Wohnbauten folgen dem Hangverlauf. Grundschule und Kindergarten liegen zentral an der Einmündung zur Edith-Stein-Straße, am Kopf des Grünzugs zwischen Siedlung Tanzplan und ehemaliger Kaserne. Die Klassenzimmer sind nach Norden orientiert, die Gruppenräume des Kindergartens nach Süden. Die gemeinsame Aula öffnet sich zum Grünzug, Schulhof und Außenbereich Kindergarten werden optisch fortgesetzt durch die Senke.

Schwanz: Auf dem Hangrücken endet die Erschließungsstraße in einer Sammelparkierung. Im Zentrum der dem Höhenverlauf folgenden Bebauung in landschaftlich reizvoller Situation liegt eine Aussichtsterrasse.

Ökologie: Energieeinsparung durch Bauform,Günstiges A/V-Verhältnis durch Reihung von Gebäuden, Geringe Erdbewegungen durch bauen mit dem Hang

Passive Nutzung von Solarenergie: Erhöhung der Solargewinne durch Südorientierung, Nordseite: Erhöhung der Speichermasse.

Klima:Belüftungsbahnen zwischen den Zeilen (Gartenzonen), Reduzierung der Bodenversiegelung (Wohnwege und Gartenzonen als grüne Zonen, Versickerung)

Gebäude: Minderung der Umwelteinwirkung durch bauliche Dichte,Zonierung der Häuser und Grundstück, Größtmöglicher Freiflächenerhalt Minimierung belasteter Flächen.