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Umgestaltung Freibad, Güglingen

Art Realisierungswettbewerb, 1996
Ort Güglingen (Kraichgau)
Auslober Stadt Güglingen
Bearbeiter H. Baurmann
Außenanlagen T. Göbel-Groß
Platzierung 2. Rg
Publikationen Wettbewerbe Aktuell 1/1997

Ein "neues altes Freibad": Das bestehende Freibad von Güglingen ist eine parkartige Anlage, deren Gesamtwirkung auch nach der Umgestaltung erhalten bleiben sollte. Daher liegt die Zielsetzung dieses Entwurfs in erster Linie darin, vorhandene Strukturen zu stärken und nicht gänzlich neue einzuführen. Als besonders reizvoll erweist sich dabei der Gegensatz von natürlich gewachsenem Park und künstlicher Badeanlage.

Vorhandene Strukturen ausformulieren: Schon jetzt hat das Bad durch die baulichen Begrenzungen zur Unteren Kanalstraße eine Art "Rückgrat", das im vorliegenden Entwurf aufgenommen und als langer Holzsteg deutlich ausformuliert wird. Sämtliche für die Funktion des Badebetriebs notwendigen Gebäude werden wie Kisten unter ein Sonnendach geschoben. Der Besucher durchmisst das Bad in voller Länge, kann sich schnell und leicht orientieren, Anlieferungen sind an jedem Punkt von der Rückseite her möglich und die verbleibenden Zwischenräume können im Zuge späterer Erweiterungen im gleichen System "aufgefüllt" werden. Auch die Anordnung der Becken nimmt die Lage der vorhandenen Wasserfläche auf und schreibt sie fort. Erhöht auf dem bestehenden Plateau hat der Badende den Überblick über die parkartigen Liegewiesen.

Traditionelle Bilder: Freibäder hatten in der Vergangenheit eine sehr eigene Formensprache - man denke nur an die Strandbäder an Nord- oder Ostsee an die Schweizer Seebäder oder Thomas Manns Venedig. An diese architektonischen Ausdruckmittel in Form und Material knüpfen Kiosk und Aufsicht, Umkleiden und Technikgebäude an; sie bedienen sich einer zeitlosen Sprache, gekennzeichnet durch die sparsame Verwendung von Holz. Der lange Steg erinnert an die Molen der Dampferanleger, die leichte Stahlkonstruktion des Sonnendachs spielt auf die Wandelhallen antiker Bäder an, die einfach gehaltenen Innenräume sind in das diffuse Licht der Holzlamellen getaucht. Nicht Spaßbad, sondern Materialgerechtigkeit in Verbindung mit größtmöglicher Einfachheit ist unser Anliegen.

Ökologische Aufwertung der Zaber-Aue: Aus landschaftsökologischer Sicht hätte das Freibad im Auengebiet der Zaber überhaupt nicht gebaut werden dürfen. Da diese Entscheidung aber bereits vor sechzig Jahren getroffen wurde, besteht heute die einmalige Chance, die Zaber-Aue als ökologisch wertvollen Lebensraum wieder aufzuwerten. Im Bereich des Schwimmbades wird ein zehn Meter breiter, gestufter Uferstreifen angelegt, bestehend aus auetypischen Bäumen, Sträuchern und Hochstauden. Er wird durch einen Zaun gegen den Freibadbetrieb geschützt. Das Kinderbad und der Spielplatz werden nach oberhalb der Hochwasserlinie verlagert und machen Platz für biotopverträgliche Freibadbereiche. Ruhige Liegewiesen grenzen nun an die naturnahen Flächen des Uferstreifens an. Südlich der Zaber werden Bolzplätze angelegt, die sowohl vom Bad über eine neue, drehkreuzgesicherte Brücke als auch direkt vom Parkplatz (und damit auch außerhalb des Badebetriebs) aus erreicht werden können. Sie sind von großflächigen zweischürigen Extensivwiesen umgeben. Baumstreifen parallel zur Zaber erhöhen die Biotopvernetzung und bereichern das Landschaftsbild der Aue.

Der Park und seine Gäste: Der parkartige Baumbestand bleibt nahezu vollständig erhalten und kann sich als Pendant zur architektonischen Formensprache des Badeplateaus malerisch entfalten. Neue Bäume müssen nur vereinzelt, und dem Ort gemäß, gepflanzt werden: ein Eschenplatz am Eingang, einzelne Weiden, Pappeln und Eschen auf den Parkwiesen und am Rande der Anlage. Die geschnittenen Fichten südlich des Badeplateaus stellen imposante Zeugnisse gärtnerischer Liebe und Sorgfalt dar. Sie beeindrucken durch ihre Größe und Gestalt. Für Generationen badender Güglinger gehören sie zum Bild ihres Freibades. Mancher träumte vielleicht in ihrem Schatten von jahrhundertealten Zypressen und den sagenhaften Wassergärten Italiens. Obwohl sie aus ökologischer Sicht hier fremd sind, werden sie wie gute alte Bekannte in ihrer Eigenart respektiert. Zugleich unterscheiden sie die aktiven von den ruhigen Zonen und betonen die herausgehobene Lage des Schwimmbereichs.

Kostensparend Modernisieren: Die Modernisierung des Freibades kann nur mit geringem Aufwand gerechtfertigt erscheinen. In das bestehende 50-Meter-Becken werden die neuen, kleineren Nichtschwimmer- und Schwimmerbecken als formstabile Edelstahlbecken mit finnischer Überlaufrinne hineingestellt. Teure Erdbewegungen und Fundamentierungsarbeiten entfallen. Im verbleibenden Hohlraum können alle notwendigen Leitungen wartungsfreundlich geführt werden. Lediglich das Springerbecken muss neu angelegt werden, wobei der Bodenaushub zur Modellierung der neuen Böschung verwendet werden kann.

Warmes Badewasser durch Sonnenenergie: Die Energie des Sonnenlichts kann durch Warmwasserkollektoren aufgefangen, zwischengespeichert und an kühleren Tagen in den Badewasserkreislauf eingespeist werden. Dadurch werden Heizkosten gespart, und das Baden auch in der Übergangszeit attraktiv und erschwinglich gemacht. Das Dach des Bades nimmt dabei alle Kollektoren in unmittelbarer Nähe der Schwimmbecken auf und verhindert lange, energieverlustreiche Transportwege. Ein Technikkanal versorgt die Funktionsgebäude an jeder Stelle mit den notwendigen Medien und lässt auch eine etappenweise Realisierung problemlos zu.