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Wohnhaus am Hang, Grünwettersbach

Ort Karlsruhe-Grünwettersbach
Projektleitung M. Dürr
Bearbeiter M. Kozák
Bauleitung M. Dürr
Planung 2008 - 2009
Realisierung 2010
Fotos J. Kottjé
Nutzfläche 310 m2 
BRI 1.145 m3 
Leistungsphasen 1 - 8
Publikationen Bauen, Nr. 12/13, S. 28, Fellbach 2013
Fußböden - attraktive Wohnbeispiele
, S. 36, München 2013
Häuser, die guttun, S. 58, München, 2012
Einbaumöbel - Multifunktionsmöbel, S. 44, München 2011

Im Zuge der Nachverdichtung eines ursprünglich dörflichen Stadtteils von Karlsruhe entstand auf einem bislang als Garten genutzten und nur mit einer Doppelgarage bebauten Grundstück in extrem steiler Hanglage ein kompaktes Wohnhaus. Formal betrachtet nimmt es die gesamte Grundstücksbreite ein, wobei zu jeder Seite eine grenzständige Garage integriert wurde. So entstand ein zusammenhängender Baukörper, der von den beiden sichtbaren Seiten aus homogen wirkt.

Straßenseitig gibt sich das Haus betont geschlossen: in die Fassade des Erdgeschosses aus horizontal orientierten Faserzementpanelen wurden die beiden Garagentore sowie die Haustüre oberflächenbündig integriert, der Hauseingang ist lediglich an einem einseitig auf eine Wandscheibe gelagerten Glasvordach und der Griffstange der Eingangstür zur erkennen. Einzig sichtbare Öffnung ist das niedrige Küchenfenster. Die Fassade wird dreiseitig gefasst von einem leicht vorspringenden, weiß verputzten Rahmen, auf dem das Obergeschoss – allseits deutlich zurückspringend – als schlichter, wiederum geschlossener Satteldachbaukörper aufzusitzen scheint. Die farbliche Gestaltung ist zu der des Erdgeschosses äquivalent: die weiße Putzfassade findet ihren Abschluss in einem glattflächig anthrazit gefärbten Dach ohne Überstände.

Zur südlich gelegenen Gartenseite hin wurde der Entwurf deutlich offener gehalten, zeigt sich hier aufgrund der Hanglage mit drei Geschossen und wirkt somit auf den ersten Blick wie ein völlig anderes Haus. Das Motiv des vorspringenden, über die gesamte Breite greifenden Rahmens sowie das allseits zurückspringende Satteldachobergeschoss stellen den stilistischen Bezug her.

Die Raumaufteilung folgt klassischen Mustern: im Erdgeschoss Wohnen, Essen, Kochen, im Obergeschoss das Schlafzimmer der Bauherren mit Bad, im Hanggeschoss weitere Zimmer sowie eine Sauna.

Das Maß an Offenheit und Geschlossenheit wurde durch ein mäandrierendes Grundrisskonzept sehr ausgewogen gehalten: Zwar gehen Wohnbereich, Essplatz, Küche und Eingangsbereich offen ineinander über, wird die Terrasse im Winkel von Küche und Essplatz über durchgängige Glasfassaden als Außenzimmer mit einbezogen, jedoch sind die Berührungspunkte der Räume kleiner als sonst heute oft üblich, sodass man zwischen offenen und zurückgezogener wirkenden Bereichen wählen kann. Zudem zoniert die einläufige Treppe als zentrales, aber nicht sichtbar frei stehendes Element.

Der Durchgang zwischen Eingangsbereich und Wohnraum lässt sich mittels einer raumhohen Schiebewand in Fortführung der Treppenwand wahlweise öffnen oder komplett verschließen, was zu gänzlich unterschiedlichen Raumwirkungen führt: während im geöffneten Zustand der Blick durchs gesamte Haus und über die gartenseitige Glasfassade ins Freie ermöglicht und somit die Betonung auf dem Eingangsbereich als Teil einer Achse durchs Haus liegt, kommt jener bei geschlossener Wand als eigenständiger Raum zur Geltung. Die abgetrennten Nebenräume – Gästetoilette und Speisekammer – werden leicht als nur lose eingestellter Kubus wahrgenommen, wofür wesentlich das Garderobenmöbel an ihrer Seitenwand verantwortlich ist. Es lässt die gesamte Situation eher möbelartig als massiv erscheinen.

Das Obergeschoss wurde zwar über die Galerie offen mit dem Wohnraum verbunden, das von ihr abgehende Schlafzimmer sowie das Bad verfügen jedoch über eine interne Verbindungstüre, die diesem Bereich Intimität verleiht. Dank durchgängiger Einbauschränke an der Rückseite der Galerie und der Schmalseite des Schlafzimmers, konnte auf eingestellte Staumöbel verzichtet werden.

Passend zum Grundriss mit versetzt angeordneten Räumen, spielt das Garderobenmöbel im Eingangsbereich mit verschiedenen Höhen und zieht hieraus unterschiedliche Funktionen: Zunächst ein niedriger Teil mit Schubfächern zweierlei Größe und einer Sitzmöglichkeit mit zugehöriger Ablage; dann ein Schuhschrank, dessen Oberseite stehend als Ablage für Schlüssel, Handtaschen und Ähnliches genutzt werden kann; dahinter ein schlanker, nicht ganz raumhoher Turm mit offenen Fächern, an dessen Rückseite die sodann ums Eck verlaufende Garderobenstange befestigt ist – auf dezente Weise zoniert er den Eingangsbereich und trennt den Raum zwischen Haustür und Möbel als imaginäre Schmutzschleuse ab. Ganz in Weiß gehalten, lediglich durch kleine Edelstahlöffnungsgriffe akzentuiert, verschmilzt das Möbel mit der Innenwand, farblich „weggestrichen“ bezieht es seine markante Wirkung gänzlich aus seiner Formalität.

Unspektakulärer geben sich zunächst die beiden Einbauschränke im Obergeschoss. Sorgfältig detailliert, aber formal relativ konventionell, verdeutlichen sie hier jedoch, welchen gestalterischen Reiz solch scheinbar schlichte Lösungen durch ihre raumberuhigende Wirkung mit sich bringen können, wenn sie bei Neu- oder Umbau bereits Bestandteil der Gesamtplanung waren – „schlicht“ dabei hier nicht im Sinne eines schon wieder markanten Purismus, sondern vielmehr im Sinne einer unprätentiös-dezenten Zurückhaltung, einer Qualität, die man mancher effekthaschender Architektur wünschen würde. Mit eben diesem Gleichmut wurde eine der Türen des Schlafzimmerschranks wie selbstverständlich als Durchgangstür zur als Abstellraum genutzten Abseite des Schrägdaches ausgeführt. (J. Kottjé)