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Wohnhaus in Hayna, Herxheim

Ort Herxheim-Hayna, Ringstrasse
Projektleitung H. Baurmann
Bearbeiter A. Gunzer | C. Wirtz
Bauleitung H. Baurmann
Planung 1997 - 1998
Realisierung 1998
Fotos T. Mechau
Nutzfläche 237 m2 
BRI 988 m3 
Leistungsphasen 1 - 8
Publikationen s Das Einfamilienhaus Nr. 3/02, S. 4, München 2002
Der Bauherr Nr. 6/01, S. 28, München 2001

Kostengünstig bauen heißt, mit scheinbar unveränderbaren Traditionen zu brechen. Gleichzeitig heißt jedes Bauen, die Traditionen des Ortes lesen und verstehen zu lernen.

In diesem Sinne entstand in einem Pfälzer Tabakdorf ein sehr„traditionelles“ Wohnhaus, das lediglich die Betrachtungsweise ändert.

Ein zweigeschossiger, langgestreckter Baukörper in der Nachfolge der alten Bauernhäuser steht giebelständig am östlichen Grundstücksrand. Rechtwinklig dazu verläuft eine Mauer, die das Grundstück in einen vorderen, halböffentlichen Bereich, den Eingangs- und Wirtschaftshof, und eine privatere Gartenzone teilt. Die Hofbildung wird erreicht durch ein flaches Nebengebäude, das eine Garage und eine kleine Werkstatt aufnimmt.

Nach Norden, der Straße zugewandt, zeigt sich das Haus verschlossen. Ein einziges, überproportional großes Fensterelement lässt kaum einen Schluß zu auf die innere Gliederung des Baukörpers. Auch die Ostseite bleibt weitgehend geschlossen, jedoch ist hier deutlich eine Zweiteilung mit zwischengeschaltetem Erschliessungsbereich erkennbar.

Tatsächlich folgt der Aufbau des Grundrisses den äusseren Gegebenheiten: es gibt einen vorderen, öffentlichen Teil mit Einlieger- und Gästebereich sowie den Sanitärräumen, der von einem Flur vom eigentlichen, dem Garten zugewandten Wohnbereich getrennt ist. Die Erschliessung des Obergeschosses liegt im Osten, sämtliche Zimmer öffnen sich, streng gereiht, nach Westen. Dem trägt die Gestaltung der Westfassade Rechnung: immer gleiche Elemente thematisieren das Prinzip der Reihe und verdeutlichen die Gleichwertigkeit der einzelnen Räume und Nutzungen. Zusätzlich wird das Obergeschoss nach außen durch eine isolierende Stülpschalung als Privatbereich gekennzeichnet. Nach Süden öffnet sich der Wohn- und Galeriebereich großzügig zum nahen Wald.

Da die Kosten des Hauses minimiert werden mussten, wurde auf eine Unterkellerung verzichtet; Ersatzraum wird in Form von Einbauschränken und dem Nebengebäude vorgehalten. Der Massivbau besteht aus einfachen, gereihten Elementen, was zu einer deutlichen Kostenreduzierung führte. Das geschlossene Ziegeldach, Reminiszenz an die ländliche Umgebung, ist wie die Bodenplatte hoch gedämmt. Trotz des nur 30 cm starken, einschaligen Wandaufbaus entspricht das Gebäude dem Niedrigenergiestandard; es ist mit einer Gasbrennwerttherme ausgestattet, der Wohnbereich wird an kalten Tagen zusätzlich über einen Kaminofen beheizt. Die großen Holzfensterelemente sind mit Wärmeschutzglas versehen.

Der äußeren Strenge des Gebäudes wird mit einem weißen Feinputz entsprochen. Die Westfassade dagegen erinnert mit ihrer ochsenblutfarbenen Stülpschalung an die traditionellen Tabakschuppen Haynas, die auch heute noch das Ortsbild prägen. Die Thematik der Schichtung, aus der heraus der Grundriss entwickelt wurde, klingt hier in variierter Form nochmals an.