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Bürgerhaus Alter Farrenstall, Bietigheim

Ort Bietigheim, Leopoldstraße 2
Bauherr Gemeinde Bietigheim (Baden)
Projektleitung H. Baurmann
Bearbeiter J. Hakenjos | A. Huhle
Bauleitung H. Schmitt
Planung 2001 - 2002
Realisierung 2003 - 2004
Fotos S. Baumann, bild_raum
Nutzfläche 388 m2 
BRI 1.642 m3 
Leistungsphasen 1 - 5
Bruttobaukosten 750.000 €
Auszeichnungen Beispielhaftes Bauen 2008, Auszeichnung
BDA | Auszeichnung Guter Bauten 2005
Publikationen Architektur in Baden-Württemberg, Seite 214, Berlin 2006
bba Bau Beratung Architektur Nr. 10/04, Seite 30, Leinfelden 2004
Heinze Baudokumentation, Celle 2003

Ein gemeindlicher Stall, erbaut Anfang des 20. Jahrhunderts, sollte auf die Möglichkeiten einer Umnutzung hin untersucht werden; alternativ stand nur der Abriss des Gebäudes zur Debatte. Aufgrund der Tatsache, daß sich in der badischen Gemeinde nicht mehr allzuviele Zeugnisse früheren Landlebens erhalten haben, befürworteten wir trotz der vorhandenen Schäden an Tragwerk und Bausubstanz den Erhalt, plädierten aber für eine gründliche Entkernung, um den neuen Anforderungen gerecht zu werden.

Der Stall weist zwei Bauteile aus zwei Bauphasen auf: den Längsbau mit eindrucksvollem Dachtragwerk, dessen weitestgehendem Erhalt oberste Priorität eingeräumt wurde, errichtet gegen Ende des 19. Jahrhunderts, und einem schon kurze Zeit später angefügten Seitenbau, der von minderer Qualität ist, ein gänzlich anderes Gefüge aufweist und wenn auch erhalten, so doch stärker überformt wurde. Im Äußeren lassen sich die zwei Bauteile deutlich unterscheiden: während der Hauptbau mit seiner durch Lisenen gegliederten Ziegelfassade seine innere Einteilung erkennen lässt, geben die Eingriffe durch neue Fensteröffnungen und Einbauten dem Seitenbau ein deutlich jüngeres Gepräge.

Der Nutzungsvorschlag der Gemeinde schien uns trotz der strukturellen Unterschiede passend: ein Haus für die örtlichen Vereine mit Proben- und Vortragsräumen, einer kleinen Küche und genügend Abstellflächen für Mobiliar, Instrumente und Vereinsmaterialien. Vorausgegangen sind dem Entwurf vielschichtige Untersuchungen zur Nutzbarkeit, die im Rahmen eines Stegreifentwurfs durch Studenten der Universität Karlsruhe erstellt wurden. Der von uns weiterverfolgte Entwurfsansatz wurde maßgeblich durch das knapp bemessene Budget beeinflusst.

Die ortsbaulich signifikante Lage am Schnittpunkt zweier Straßen, zwischen Kirche und Rathaus, führte zu dem Vorschlag, zwei Haupteingänge auszubilden, die es den Nutzern ermöglichen, über die zugehörigen Foyers und Treppen mehrere Veranstaltungen getrennt voneinander zu erschließen. Während für den Eingang vom vorgelagerten, hofartigen Platzraum aus die ehemalige Durchfahrt genutzt werden konnte, musste für den gegenüberliegenden Zugang ein komplettes Wandfeld aus der Ziegelfassade ausgebrochen werden.

Im Erdgeschoss befinden sich neben den beiden kleinen Foyers zwei Vereinsräume, eine Teeküche, die Sanitärräume und der - erhaltene - Zugang zum Keller. Das mächtige Dachtragwerk konnte mit erträglichem Aufwand erhalten werden und überspannt nunmehr einen großen Veranstaltungsraum, während sich im Seitenbau ein weiterer Probensaal befindet. Beide Räume werden über große Dachflächenfenster, die flächenbündig in das Biberdach eingelassen sind, belichtet. Der Aufzugturm steht am Schnittpunkt beider Gebäudeteile einem Möbel gleich frei im Raum. In seiner seidig schimmernden, schwarzen Farbgebung erinnert er entfernt an die Oberfläche eines Konzertflügels, den die Gemeinde sich für das Haus noch wünscht.

Alle Eingriffe sind in Form und Materialität klar ablesbar. So sind die Brüstungen der Stallfenster im Längsbau ausgebrochen worden, um die Räume besser zu belichten; ihre Sandsteingewände wurden jedoch durch Stahlprofile ergänzt und damit die Veränderungen sichtbar gemacht. Die Beschränkung auf wenige Materialien - Metall, Gußasphalt, Putz - unterstützt die trotz der relativen Kleinteiligkeit angestrebte Großzügigkeit des Hauses, das dem Benutzer ein unaufdringlich dienendes, flexibles Gehäuse sein soll.